Chronik des Oscherslebener Sportclub 1990 e.V.

1910 Gründung der „Fußballfreunde 1910 Oschersleben“

1918 Zusammenschluss der „Fußballfreunde 1910 Oschersleben“  mit der Sportgemeinschaft „Teutonia“ zur „Spielgemeinschaft Teutonia“

Diese Sportfreunde spielten im mitteldeutschen Verbandsgebiet

1933 Umbenennung der Spielgemeinschaft Teutonia in „Fußballfreunde Teutonia 1910“. Diese Änderung wird durch den Nationalismus erzwungen.

1935 Umbenennung in „Oscherslebener Sportclub von 1910“

1936 Vereinigung der Betriebsmannschaften der AGO Flugzeugwerke mit dem „Oscherslebener Sportclub 1910“. Durch den 2. Weltkrieg kaum Spielbetrieb.

1945/46 Die sowjetische Militäradministration untersagt kategorisch die Wiedergründung der alten Klubs und beharrt auf die Einrichtungen kommunaler Sportgruppen. Darüber hinaus kann das Verbot des kreisüberschreitenden Spielverkehrs nicht überwunden werden, so dass es lediglich zu Stadt- und Kreismeisterschaften kommt.

1946 Als nach dem zweiten Weltkrieg auf Anordnung der Besatzungsmächte alle Sportvereine aufgelöst werden muss und Sportwettkämpfe zunächst nur auf Kreisebene erlaubt sind, gründen Sportler in der 18.000 Einwohner zählenden Kreisstadt Oschersleben die Sportgemeinschaft Oschersleben. Ihre Fußballmannschaft nahm bereits 1946 am Sportbetrieb im Landkreis Oschersleben teil.

1946/47 wird die SG Oschersleben als Kreismeister in einer Abschlußtabelle geführt. Landesmeisterschaften wurden nicht durchgeführt.

1948 Gründung der Betriebssportgemeinschaft Lok Oschersleben über die Deutsche Reichsbahn.

1948/49 Überregionaler Sportverkehr war wieder möglich, und in der Abschlußtabelle der Landesklasse Sachsen-Anhalt Nord 1948/49 wird die SG Oschersleben auf Rang 7 (18 Spiele, 36:46 Tore, 17:19 Punkte)registriert.

1949/50 Mit Einführung des Systems der Betriebssportgemeinschaften (BSG) in Ostdeutschland zwischen 1949 und 1950 wird die bisherige Sportgemeinschaft Oschersleben in die BSG „Oddesse“ Oschersleben umgewandelt. Der Spielbetrieb wird in der Kreisklasse aufgenommen.

1951 Umbenennung in BSG Motor Oschersleben. Die Bezeichnung „Motor“ weist daraufhin, dass örtliche Maschinen- und Fahrzeugbaubetriebe die Funktion der Trägerbetriebe übernommen haben. Diese spielt in der damaligen Bezirksklasse Magdeburg West und wird im Spieljahr 1951/1952 Staffelsieger (28 Spiele, 87:41 Tore und 41:15 Punkte) und ist somit Aufsteiger in die neugegründete Bezirksliga. Die Führung der Sektion Fußball übernehmen folgende Personen:

Sektionsleiter:            Werner Schneegans

Technischer Leiter:    Gerd Stöver

Kassierer:                   Gustel Kaste

 

1952 Nach Abschaffung der Länder in der DDR zugunsten neuer Bezirke werden im Fußball nach der Oberliga und der DDR-Liga als dritte Klasse Bezirksligen eingerichtet. Motor Oschersleben wurde in die Bezirksliga Magdeburg eingestuft. In einem Artikel der Volksstimme vom 15. September wird unter der Überschrift:

Wer spielt in der Bezirksliga?  folgendes berichtet:

„Große Erfolge hat die BSG Motor Oschersleben seit ihrem Bestehen aufzuweisen. Erst 2 Jahre besteht diese vorwärtsstrebende Mannschaft und spielte sich in dieser Zeit von der Kreisklasse zur Bezirksliga empor. Diese Leistungen konnten nur erreicht werden, weil die Funktionäre der BSG und die Spieler ein gutes Kollektiv bilden. Das kam besonders bei den Aufbauarbeiten der Sportplatzanlage der BSG Motor zum Ausdruck. Manche Oberligamannschaft sollte sich hieran ein Beispiel nehmen. Unermüdliche Kleinarbeit konnte die BSG auf den heutigen Stand bringen.

Wir stellen heute die Jungen der BSG Motor vor, die in der kommenden Serie den Kreis Oschersleben in der Bezirksliga Magdeburg vertreten werden:

Günther B i s c h o f f, 27 Jahre, von Beruf Fleischer, spielt in der kommenden Serie im Sturm. Er zählt zu den erfolgreichsten Torschützen der BSG.

Kurt M ö l l e r, 30 Jahre ist in der kommenden Serie der Rechtsaußen der Mannschaft. Durch seine Arbeit ist er nicht immer der beständigste Spieler. Er arbeitet als Former in der Pumpenfabrik.

Horst B ä s e, 21 Jahre, als Kraftfahrer im Konsum Oschersleben tätig, gilt als einer der fähigsten Nachwuchsspieler der Liga. Seine Spiele sind schon sehr zahlreich. Auch an Torerfolgen hat er ein beträchtliches Konto aufzuweisen. Er spielt im Sturm.

Hans G r ü n b e r g, 27 Jahre, als Schlosser in der Pumpenfabrik beschäftigt, ist der Techniker der Mannschaft. Flink und schnell am Ball, hat er schon manch altem Spieler das Leder abgenommen. Auch seine Elfmeter sind selten von einem Schlussmann gehalten worden. Vor kurzem vom freiwilligen Einsatz im sächsischen Erzbergbau zurückgekehrt, bedeutet er für Motor das As. Als Halbrechter wird er seinen Mann stehen.

Heinz D o i l, 27 Jahre, ist Lehrausbilder der Pumpenfabrik. Er spielt in der Serie als Verteidiger. Trotz seines stattlichen Gewichts hat er schon in mancher Situation den Ball für Motor gerettet. Auch er ist ein alter Fußballhase.

Willi O c h s e n f a h r t, 27 Jahre, BGL-Vorsitzender im Konsum, steht für Motor in der kommenden Serie im Tor. Im leuchtend roten Dreß rief er mit seinen tollkühnen Paraden schon viel Bewunderung bei den Anhängern des Fußballs hervor.

Heinz K i r b s, 25 Jahre, fungiert als Mittelfeldläufer. Als Schlosser in der Pumpenfabrik tätig, ist er immer einsatzfreudig am Ball.

Lothar B o s s e, 19 Jahre alt, ist erst vor kurzem zur Mannschaft gekommen. Er spielte jedoch schon mehrere Male in der Bezirksauswahl des Bezirkes West. Er ist für die BSG  Motor einer der fähigsten Nachwuchsspieler. Auch er arbeitet in der Pumpenfabrik und spielt in der kommenden Serie im Lauf.

Herbert K u p f e r, 25 Jahre, arbeitet als Kraftfahrer bei der HO Oschersleben. Er kommt aus der Kreisklasse und wird als Verteidiger spielen. Unter der Anleitung des Trainers wird er in der kommenden Spielzeit seinen Mann für Motor stehen.

Fritz S c h m i d t, 26 Jahre alt, arbeitet als Vermessungsangestellter in Halberstadt. Er spielt im Sturm und ist eine der stärksten Säulen der Motormannschaft. Jung und immer an sich selbst arbeitend, ist er ein Sportler, wie wir ihn gern sehen.

Kurt H u c h s t e d t, 35 Jahre, ist der älteste, aber immer noch einer der einsatzfreudigsten Spieler der Mannschaft, der auch in der kommenden Serie für Motor als Aufbauspieler wirken wird. Auch er ist in der Pumpenfabrik beschäftigt.

Erich T e p p e r ist mit seinen 31 Jahren auch nicht mehr der Jüngste, steht aber als Verteidiger sowie im Lauf noch jederzeit seinen Mann.

Hubert P a l m, 23 Jahre, ebenfalls in der Pumpenfabrik beschäftigt, spielt als Linksaußen. Jung und flink, ist er einer der erfolgreichsten Torschützen der Mannschaft.

Horst B r a n d e s, 25 Jahre, arbeitet als Schlosser in der Pumpenfabrik. Er wird Motor in der kommenden Serie als Verteidiger zur Verfügung stehen.

Als Reserve kommen noch die Spieler K o s t o r s, M ü c k e, M a r t i n, und einige Nachwuchsspieler aus der 2. Mannschaft hinzu, so dass Motor Oschersleben hinsichtlich der Spieler in der kommenden Serie keine Bedenken zu haben braucht.

Außerdem steht der BSG Motor jetzt ein hauptamtlicher Trainer zur Verfügung, Sportfreund Lepetit, der soeben von der Sportschule Freiburg gekommen ist.“

(Artikel von Hans Meyers)

 

1952-1959 Ergebnisse und Platzierungen in der Bezirksliga

Saison

Platzierung

Sieg

Unentsch.

Niederl.

Tore

Punkte

1952/53

6

9

4

9

65:54

22:22

1953/54

4

11

6

5

43:43

28:16

1954/55

9

6

5

11

49:53

17:27

1955 *

3

7

2

3

27:23

16:8

1956

2

15

2

7

60:40

32:16

1957

8

10

5

11

45:62

25:27

1958

7

10

5

11

47:49

25:27

1959

13

8

5

13

30:53

21:31

 

* Übergangssaison - Rumpfjahr

 

Bis 1958 konnte sich die Mannschaft stets im Mittelfeld der Bezirksliga behaupten, der vorletzte Platz in der Saison 1959 (damals Fußballsaison gleich Kalenderjahr) bedeutete allerdings den Abstieg in die zu dieser Zeit fünftklassige Bezirksklasse.

 

1960-1962 Platzierungen in der Bezirksklasse Staffel 3

Saison

Platzierung

Tore

Punkte

1960

2

50:28

28:16

1961/62

2

79:55

43:23

 

Aus „Dynamo“ wird „Vorwärts“ Oschersleben

1960 Der 2. Oscherslebener Fußball-Verein – Dynamo – steigt in die Bezirksliga auf und belegt in diesem Spieljahr 1960 den 5. Platz in der Staffel 1 der in diesem Jahr erstmalig zweigleisigen Bezirksliga.

1961 Das Spieljahr für eine Fußball-Saison wird wieder umgestellt, eine Saison geht wieder jahresübergreifend von Juli bis Juni des darauffolgenden Jahres.

1961/62 Vor Beginn der neuen Saison wird die Trägerschaft von Dynamo Oschersleben auf die in Oschersleben stationierten Grenztruppen übertragen, so dass die Fußballmannschaft unter dem Namen „Vorwärts Oschersleben“ antritt. Vorwärts Oschersleben belegt am Ende der Saison Platz 4 der Staffel 1 der Bezirksliga und qualifiziert sich somit für die nun wieder eingleisige Bezirksliga und kann am Ende der Saison 1962/63 sogar den 2. Platz erringen.

1963 erfolgte eine „ Vernunftehe“  von Motor und Vorwärts zur BSG Motor/Vorwärts Oschersleben. Es werden zwei Männermannschaften gebildet, je eine wird in die Bezirksliga bzw. in die Bezirksklasse eingegliedert. Im gleichen Jahr erfolgte der Aufbau einer Nachwuchsabteilung.

         Logo von Motor/Vorwärts Oschersleben

 

1963/64 Die Mannschaft von M/VO kann im ersten Bezirksliga-Jahr einen hervorragenden  7. Tabellenplatz (30:30 Punkte und 66:55 Tore) erreichen. Auch im Jahr darauf belegt die Mannschaft am Ende den 7. Tabellenplatz (31:29 P, 47:43 T) und erreicht zum 1. Mal das Endspiel um den FDGB-Bezirkspokal.

1965 Am 2. Mai bestreitet M/V Oschersleben das Endspiel um den FDGB-Pokal des Bezirkes Magdeburg  gegen Chemie Schönebeck im Magdeburger „Ernst-Grube-Stadion“ vor über 20.000 Zuschauern. Die BSG Motor/Vorwärts  gewinnt das Endspiel gegen den hohen Favoriten mit 2:0, zweifacher Torschütze ist Wilfried Schmidt.

1967  M/V Oschersleben erreicht wiederum das Endspiel um den FDGB-Bezirkspokal. In Wanzleben stehen sich die Mannschaften vom 1. FC Magdeburg II (2. der Bezirksliga) und M/VO (Platz 5) gegenüber. Diesmal kann die Mannschaft von M/VO den Favoriten nicht bezwingen und unterliegt mit 0:1.

1968 Wieder ist M/VO im FDGB-Pokalendspiel, diesmal gegen Lok Halberstadt in Blankenburg. Auch dieses Spiel verliert die Mannschaft von M/VO mit 0:1.

1969 Im dritten Jahr in Folge erreicht das Team von M/VO das FDGB-Pokalfinale. Gegen die Mannschaft von Motor/Südost Magdeburg  erwischt das Team des Trainergespanns H. Brinkmann und D. Busch einen guten Tag und spielt den Gegner förmlich an die „Wand“, siegt souverän mit 6:0.

1971/72 Bezirksmeistertitel 1971/72 und Aufstieg in die DDR-Liga

 

Die Mannschaft von Motor/Vorwärts Oschersleben erringt im Spieljahr 1971/72 den Bezirksmeistertitel und steigt in die zweithöchste Spielklasse auf. Dieser Aufstieg in die DDR-Liga Staffel C ist bis heute der größte Erfolg in der Oscherslebener Fußballgeschichte, denn nie zuvor und auch nicht wieder danach hat eine Mannschaft aus der Bodestadt so hochklassig gespielt. Dabei beginnt die Saison alles andere als erfolgreich. Das Auftaktspiel zu Hause gegen Turbine Magdeburg wird zwar unverdient aber mit 1:2 verloren. Auch das anschließende Auswärtsspiel bei Aktivist Staßfurt ging mit 1:2 in die „Hose“. Es folgen 2 Unentschieden gegen Traktor Gehrden und Traktor Klötze, so dass man sich nach 4 Spieltagen am Tabellenende wiederfindet. Doch dann beginnt für die Mannschaft von M/VO eine nicht geahnte Aufholjagd, die nächsten 5 Spiele werden gewonnen und in der 1. Halbserie geht nur noch ein Spiel (bei Lok Güsten 1:0) verloren. Nach der 1. Halbserie steht die Mannschaft von M/VO bereits auf Platz 3 der Tabelle, nur die beiden Mannschaften, gegen die unsere Elf das 1. und das 2. Spiel verlieren, liegen in der Tabelle vor uns. Zu Beginn der 2. Halbserie beginnt Turbine Magdeburg als Halbzeitmeister zu schwächeln und verliert an Boden, so dass es zu einem Zweikampf zwischen Aktivist Staßfurt und M/VO kommt. Durch eine makellose Rückrunde (10 Siege und 5 Unentschieden bei keiner Niederlage) kann auch noch Aktivist Staßfurt abgeschüttelt werden, und schon vor dem letzten Spieltag steht fest, die Mannschaft von M/VO ist Bezirksmeister 1971/72 und steigt in die DDR-Liga auf. Ein großes Plus dieser Bezirksmeister-Elf ist die mannschaftliche Geschlossenheit. Die Abwehr, angeführt von Dieter Busch (Dieter kehrte nach 13 Jahren und 350 Punkt- und Pokalspielen in der Oberliga bei Lok Leipzig, beim 1. FC Magdeburg und Lok Stendal nach Oschersleben zurück), steht wie ein Bollwerk und lässt in der Rückrunde ganze 4 Tore zu. Im Angriff liegt die Last nicht nur auf den Schultern von einem überragenden Stürmer, hier treten mehrere Spieler als Torschützen zutage. Mit 10 Treffern ist Linksaußen Siebert der treffsicherste, gefolgt von Horst „Schleppen“ Gerecke mit 9, Dieter Schüler mit 7 und Wilfried „Ballermann“ Schmidt mit 5 Treffern. Großen Anteil an der Stärke dieser Mannschaft hatte der Spieler-Trainer Dieter Busch, der nicht nur die Abwehr dirigierte, sondern auch die gesamten Abläufe im Team steuerte.

 

1972 In der Zeit von 1965 bis 1972 gelingt es der Mannschaft von M/VO 7 Mal ins FDGB-Pokalfinale einzuziehen. In Schönebeck gewinnt M/VO gegen die TSG Calbe mit 4:2 und wird zum 3. Mal FDGB-Pokalsieger. In einer temporeichen und einsatzstarken Partie warteten die Motor/Vorwärts-Spieler mit einer guten Leistung auf. Es sind erst 3 Minuten gespielt, da wird Siebert im Strafraum gefoult, den fälligen Elfmeter verwandelt Geßner zum 1:0. Von da an bestimmt M/VO das Spiel, kann aber die vielen hochkarätigen Chancen nicht nutzen. Nach der Pause erhöht Bremse mit einem straffen Schuss auf 2:0. Calbe kann fast im Gegenzug verkürzen und versucht das Spiel zu drehen. Es folgt das 3:1 (Rode), wenig später fällt der 3:2-Anschluss, so dass es bis zu Schluss spannend bleibt. Mit dem schönsten Tor des Tages schließt Gerecke eine Flanke von Rode zum letztendlich verdienten 4:2-Endstand ab.

 

1972/73 Das Spieljahr in der DDR-Liga

 

M/VO wird in die Staffel C der DDR-Liga eingeteilt. Zum Punktspielauftakt gegen den Halleschen FC Chemie II kommen knapp 3.000 Zuschauer ins Oscherslebener Jahnstadion. Sie sehen nach einer teilweise guten Leistung der Einheimischen einen 4:2-Sieg der Saalestädter, die sich als cleverer erweisen und die Fehler der Oscherslebener erbarmungslos nutzen. Das 1. Auswärtsspiel bestreiten die Oscherslebener bei Stahl Brandenburg, einer Mannschaft, die in Fachkreisen zu den Favoriten auf den Staffelsieg  zählen. Die Gäste zeigen eine beachtliche kämpferische und spielerische Leistung und freuen sich am Ende riesig über das jederzeit verdiente 1:1. Das nächste Heimspiel kann die Mannschaft von M/VO mit 5:1 gegen Veritas Wittenberge für sich entscheiden. Es folgt ein weiteres Heimspiel, gegen den 1. FC Lok Leipzig II geht M/VO sang und klanglos unter, so dass die Mannschaft mit etwas Kribbeln im Bauch zum Auswärtsspiel gegen Chemie Wolfen antritt. Doch „Bange machen gilt nicht“ gab Dieter Busch vor und mit einer überzeugenden Mannschaftsleistung kann auch dieser Favorit mit 2:1 besiegt werden. Es folgt eine weitere Heimniederlage gegen Chemie Böhlen. Es wird augenscheinlich, dass M/VO einen Heimkomplex hat. Der Berichterstatter der 70-iger Jahre, Alfred Deutsch, äußerte sich in einem Resümee zur 1. Halbserie folgendermaßen: „Auswärts wurden bessere Spiele absolviert, als unter den Augen der eigenen Zuschauer“. Trotzdem kann vor der Winterpause (es werden noch 2 Spiele der Rückrunde gespielt) der große Staffelfavorit, Stahl Brandenburg, durch ein 1:0 im heimischen Jahnstadion bezwungen werden. Nach 13 Spieltagen ist die von allen Akteuren ersehnte Winterpause erreicht. Mit 11 von 26 möglichen Punkten steht die Mannschaft von Dieter Busch relativ gut da. Es sind in der 2. Halbserie noch 18 Punkte zu vergeben, 8 reichen zum Klassenerhalt. Doch Motor/Vorwärts kommt nach der Winterpause nicht mehr in Tritt, kann nur noch einmal gewinnen (2:1 zu Hause gegen Lok Stendal) und steigt als Vorletzter der Tabelle mit 13:31 Punkten und einem Torverhältnis von 23:43 ab.

 

1973/74 Motor/Vorwärts - wieder zurück in der Bezirksliga

 

Die Mannschaft von M/VO spielt wieder in der Bezirksliga und strebt den sofortigen Wiederaufstieg an. Am Ende der Saison reicht es aber nur für den 3. Rang, mit 9 Punkten Rückstand auf den Bezirksmeister Stahl Blankenburg. Mit dem Nicht-Aufstieg verlassen einige gestandene Spieler den Verein, Dieter Busch gibt das Traineramt an Dieter Schüler ab. Es kommt zu einem Umbruch der Mannschaft.

 

1974-1978 In den folgenden 3 Spielserien belegt die Mannschaft von Motor/Vorwärts  Tabellenplätze im mittleren oder unteren Tabellen-Drittel (12., 8. und 9. Rang). Es folgt die Saison 1977/78, die mit einer Heimpleite im Saison-Auftaktspiel gegen Empor Tangermünde in Höhe von 3:5 beginnt. Am 2. Spieltag, nach der 4:2 Niederlage in Halberstadt, war man schon Tabellenletzter. Die Mannschaft kann diese Tabellenregion nicht mehr verlassen, landet mit 20:40 Punkten am Ende auf dem vorletzten Platz 15 und steigt zusammen mit Aktivist Staßfurt in die Bezirksklasse ab.  Das bedeutet den absoluten Tiefpunkt in der Historie von Motor/Vorwärts, denn in dieser Spielklasse hat der Verein seit dem Zusammenschluss von Motor und Vorwärts im Jahr 1963 bisher nicht gespielt.

 

1978/79 Das erklärte Ziel für die neue Saison ist, sofort wieder in die Bezirksliga aufzusteigen. Die Mannschaft wird auf mehreren Positionen verstärkt und mit Roland Zahn übernimmt ein zwar noch junger, aber sehr ehrgeiziger Übungsleiter aus Hornhausen das Amt des Trainers bei M/VO. Lange Zeit sind die beiden Ortsnachbarn, Hornhausen und Oschersleben Konkurrenten im Duell um den Aufstieg in die Bezirksliga. Am 27. Spieltag werden die Fronten jedoch eindeutig geregelt, vor 500 Zuschauern fegen die Spieler von Motor/Vorwärts den Gastgebenden Aufbau Hornhausen mit 5:0 regelrecht vom Platz. Am Ende der Saison 1978/79 steht die Elf von Roland Zahn souverän an der Tabellenspitze und qualifiziert sich für die Aufstiegsspiele, bei dem 5 Mannschaften im Modus jeder gegen jeden um 3 Aufstiegsplätze kämpfen. Nachdem die ersten beiden Spiele unentschieden gestaltet werden (1:1 in Atzendorf, 2:2 zu Hause gegen Krusemark, wobei M/VO bis zur 80. Minute 2:0 in Führung liegt) verliert die Mannschaft von Roland Zahn in Burg mit 2:1, obwohl sich das Spielgeschehen fast nur in der Hälfte von Einheit Burg abspielt, der Trainer selbst verschießt sogar noch einen Elfmeter. So kommt es am 4. und letzten Spieltag im Jahnstadion zum alles entscheidenden Spiel gegen Aktivist Salzwedel, welches M/VO sicher mit 4:1 für sich gestalten kann. M/VO steigt tatsächlich wieder in die Bezirksliga auf.

 

1980/81 Das Team von Roland Zahn erreicht seit 9 Jahren Pause endlich wieder das FDGB-Pokalendspiel. In Erxleben treffen die Bezirksliga-Rivalen M/VO und Traktor Klötze aufeinander. M/VO qualifiziert sich über Traktor Bismark (3:0), Traktor Walsleben (3:1), Turbine Magdeburg (8:6 n.E.)  und kann sich im Halbfinale bei Traktor  Bertkow, nachdem es nach der regulären Spielzeit 1:1 stand (durch ein Freistoß-Tor von Dietmar Schütze kommt M/VO zum 1:1), im Elfmeterduell mit 8:7 durchsetzen. 1.200 Zuschauer erleben in Erxleben ein dramatisches Finale, in dem die Oschersleber lange Zeit auf deutlichem Siegeskurs sind. Nach dem 1:0 für Klötze bringen Lehmann und Schütze ihre Mannschaft bis zur Halbzeit mit 2:1 in Führung, die die Bodestädter in den ersten 10 Minuten nach Wiederanpfiff noch weiter hätten ausbauen können. Dann jedoch bringen die Altmärker den erst 17 jährigen Steffen ins Spiel, der die Wende ins Klötzer Spiel bringt. Das Spiel geht für M/VO mit 5:2 verloren.

 

1983/84 Wieder erreicht M/VO das Endspiel im FDGB-Bezirkspokal. Diesmal trifft die Mannschaft im Halberstädter Friedensstadion auf den Liga-Konkurrenten Stahl Blankenburg, nachdem die Mannschaft gegen starke Gegner ins Finale einzieht (Vorwärts Havelberg, Einheit Wernigerode und 1. FCM II). Wieder geht das Spiel verloren, Endstand: 1:0 für Blankenburg.

 

1987/88 In der Sommerpause gibt es einen Wechsel auf dem Trainerposten, Udo Giffey übernimmt den Staffelstab von Roland Zahn, der insgesamt 9 Jahre lang die Geschicke von M/VO geleitet hat.

 

1989/90 Am Saisonende steht M/VO auf dem 6. Tabellenplatz. Dieser Platz bedeutet die Qualifikation für die neugebildete Landesliga (heute Verbandsliga)

 

1990 Am 3. Mai 1990 erfolgt die Gründung des Oscherslebener SC 1990 e.V. zum 7.Mai 1990. Dabei wird Joachim Kunkel als ersten Vereinsvorsitzenden gewählt. An seiner Seite sind mit Harald Schmidt (Abteilungsleiter Fußball) und Uli Hentrich (Schatzmeister) langjährige Mitstreiter aus Zeiten von Motor/Vorwärts ebenfalls im Vorstand zu finden. Dieses eingespielte Team wird die Geschicke des OSC 1990 über mehr als 20 Jahre lenken und leiten.

 

1990-1992 Die Mannschaft von Udo Giffey spielt in der höchsten Spielklasse von Sachsen-Anhalt. Im ersten Jahr kann der OSC mit Platz 9 einen guten Mittelplatz belegen, kann aber im 2. Jahr den Abstieg geradeso verhindern. In der Abschlusstabelle landet der OSC auf Platz 14, einen Platz vor den Abstiegsplätzen. Udo Giffey, 5 Jahre lang Spieler-Trainer von M/VO bzw. dem OSC, beendet seine Trainerkarriere, bleibt aber der Mannschaft als Spieler erhalten.

 

1992-1995 Eine neue Generation im Oscherslebener Fußball bricht an. Der Vorstand engagiert einen neuen Trainer - mit Bernd Kockisch kommt ein Trainer aus der Landeshauptstadt. Bernd Kockisch trainierte bislang die A-Jugend des 1. FC Magdeburg und  bringt einige seiner ehemaligen A-Jugendlichen mit nach Oschersleben. Außerdem werden noch andere gestandene Fußballspieler von den Verantwortlichen des OSC verpflichtet. Die Qualität der Mannschaft reicht jetzt aus, um in den nächsten Jahren Tabellenplätze im Mittelfeld einzunehmen. Trotzdem verlässt Trainer Kockisch den Verein kurz vor Beendigung der Saison 1994/95 - der Co-Trainer Gerd Zahn führt die Saison zu Ende. In der Sommerpause verlassen daraufhin mehrere Spieler den Verein.

 

1995/96 Das Amt des Trainers übernimmt Peter Bindseil. Sein Team beginnt die Saison trotz der Abgänge wichtiger Spieler sehr ansprechend und steht zur Halbzeitpause auf Platz 8, kann in der Rückrunde jedoch nicht an diese Leistungen anknüpfen und verliert Spiel um Spiel. Im vorletzten Spiel kann im Auswärtsspiel gegen Burg ein 1:0 Auswärtssieg errungen werden (kurios: nach 3 Roten Karten stehen am Ende der Partie nur noch 8 Spieler des OSC auf dem Feld, retten aber den hauchdünnen Vorsprung bis zum Schlusspfiff). Die Hoffnung auf den Klassenerhalt ist wieder da, doch am letzten Spieltag hat der OSC spielfrei (in dieser Saison sind 17 Mannschaften im Feld der Verbandsliga), so dass Askania Bernburg im letzten Spiel gewinnen kann und somit noch am OSC vorbeizieht. Der OSC steigt als Vorletzter der Verbandsliga in die Landesliga ab.

 

1996/97 Ein neuer, „alter“ Trainer übernimmt das Amt. Udo Giffey erklärt sich für die nächsten 2 Jahre bereit, die Mannschaft zu trainieren. Er soll den weiteren Abstieg des OSC in die Landesklasse verhindern, denn nach der Saison verlassen weitere wichtige Spieler den Verein, es fehlt an Spielern und erst recht an gestandenen. Er und sein jahrelanger Co-Trainer Gerd Zahn „opfern“ sich, bauen eine junge Mannschaft auf und retten den OSC nicht nur vor dem weiteren Abstieg, sondern festigen die Mannschaft durch den Einbau vieler junger Oscherslebener Talente, die teilweise aus der Reservemannschaft und der A-Jugend des OSC stammen. In Anbetracht der vielen neuen Spieler lassen die Verantwortlichen des OSC eine alte Tradition des Vereins wieder aufleben. Ein kleines Trainingslager auf der Sportanlage in Heudeber soll den Zusammenhalt der Mannschaft formen. Die Mannschaft trainiert vormittags und nachmittags und am Abend wird bei einem Bierchen den neuen Spielern das „Singen“ verordnet.

 

1997/98  Die Mannschaft erreicht das Kreispokalendspiel. In Kroppenstedt trifft die Elf auf den Eilsleber SV. Nach 120 Minuten steht es 2:2, das Elfmeterschießen verliert der OSC.

 

1997/98 Nach der Saison beendet Udo Giffey planmäßig seine Trainer-Karriere. Das Amt des Trainers übernimmt Bernd Strickroth, Co-Trainer wird Hans-Jürgen Lingner. Unter dem Trainergespann kann der OSC 2-mal den 6. Tabellenplatz in der Landesliga Staffel Mitte belegen.

 

1999/2000 Der bisherige Co-Trainer Hans-Jürgen Lingner übernimmt das Amt des Cheftrainers. Er lenkt die Geschicke des Teams vom OSC über 3 Jahre. In der Landesliga-Staffel Nord belegt er mit der Mannschaft in der 1. Saison Platz 8., kann sich im 2. Jahr auf den 6. Platz schieben und erreicht im 3. Jahr sogar den 5. Platz.

 

2002/2003 Die Mannschaft von „Hanjo“ Lingner krönt die erfolgreiche Saison mit dem Sieg des Kreispokals. In Eilsleben kann der SV Turbine Harbke mit 4:2 besiegt werden.

 

2003/2004 Nach 3 Jahren „Hanjo“ Lingner übernimmt Holger Döbbel, ehemaliger Oberliga-Spieler des 1. FC Magdeburg, das Traineramt. Mit dem Namen Döbbel verbinden die Verantwortlichen und die Fans des OSC die Chance, den Aufstieg in die Verbandsliga endlich perfekt zu machen. Holger kommt jedoch mit den Bedingungen beim OSC nicht klar und verlässt den Verein am Ende der Saison wieder, nach Platz 9 in der Tabelle.

 

2004/2005  In der nächsten Saison wird die Mannschaft von Bernd Görsch trainiert. Das Ziel Wiederaufstieg kann auch er nicht realisieren, ganz im Gegenteil, der OSC findet sich im Abstiegskampf wieder. Thomas Taraba übernimmt 6 Spieltage vor Beendigung der Saison das Traineramt, kann alle Spiele gewinnen und landet so noch auf Platz 8.

 

2005/2006  Thomas Taraba bleibt weiterhin Trainer der Mannschaft. Mit dem Schwung der letzten Spiele der vergangenen Saison soll endlich der Aufstieg geschafft werden. Die Vorbereitung läuft überaus erfolgreich, doch mit dem 1. Spieltag gegen Haldensleben beginnt die Durststrecke, so dass am Ende der Saison gerade so der Abstieg verhindert wird. Thomas Taraba bittet um Ablösung.

2006/2007  Der Vorstand des OSC reicht Roland Zahn die Hand und ernennt diesen für die neue Saison zum Trainer. Mit Roland Zahn kommt der Erfolg zurück, am Ende des 1. Jahres belegt die Mannschaft Platz 3. An der Tabellenspitze gibt es  einen spannenden Dreikampf, den der 1. FCM II vor dem Haldensleber SC und dem OSC als Dritter für sich entscheiden kann. Der 3. Platz ist seit Abstieg in die Landesliga 1996 die beste Platzierung des OSC.

 

2006/2007 Zur Abrundung dieser sehr erfolgreichen Saison kann die Mannschaft in Ummendorf gegen das Landesklasse-Team von Empor Klein Wanzleben noch den DFB-Kreispokal gewinnen. Nachdem der OSC in der 1. Halbzeit durch 2 Tore von Christian Schütze und einem Tor von Andre` Linzert mit 3:0 in Führung geht und den Gegner eindeutig beherrscht, kommt dieser in der 2. Halbzeit auf, kann auf 3:2 verkürzen und kann selbst in Unterzahl den großen Favoriten bis zum Ende des Spiels unter Druck setzen. Der OSC kann den Vorsprung aber bis zum Abpfiff verteidigen und nimmt den Pokal von KFV-Präsident Eckardt Jockisch entgegen.

 

2007/2008 Der OSC bleibt in der Erfolgsspur, kann die Saison auf dem 2. Tabellenplatz beenden, nur der Haldensleber SC steht am Ende der Saison vor dem OSC.

 

2008/2009  Im 3. Anlauf gelingt nach 13 Jahren Abstinenz der Aufstieg in die Verbandsliga.

 

2009/2010  Der OSC spielt wieder Verbandsliga. Nachdem am 6. Spieltag eine 3:0 Heimpleite gegen Union Sandersdorf (zu diesem Zeitpunkt Tabellenführer) eingefahren wird, wirft Roland Zahn als Trainer hin. Das Amt übernimmt der Trainer von Blau/Weiß Gerwisch, Michael Steffen. Mit ihm wird die Mannschaft 10. der Verbandsliga. Dieser Erfolg kann im Folgejahr wiederholt werden.

 

2011/2012  Aus Krankheitsgründen beendet Michael Steffen sein Arrangement beim OSC. Andre` Linzert, bis dahin Co-Trainer unter Steffen, übernimmt das Amt und kann am Ende dieser Saison sogar den 8. Platz einnehmen.

 

2012/2013  Andre` Linzert ist weiterhin Trainer der Mannschaft. Auch das Team um ihn herum bleibt so erhalten. Mitte der 1. Halbserie gibt Benno Laczkowski nach über 30 Jahren (seit 1981 als Mannschaftsbetreuer im Verein tätig) krankheitsbedingt seinen Posten ab. Für ihn kommt Andreas Kurth vom Liga-Konkurrenten Preussen Magdeburg. Nach der 1. Halbserie liegt die Mannschaft mit 18 Punkten auf Platz 11 im Limit.

 

2013/2014   15 Punkten auf Platz 13.

 

2014/2015  Umbruch beim OSC: Marko Saubach und sein Trainestab sollten dem OSC ein neues Gesicht geben. Nach einer guten Hinrunde und einer schwierigen Rückrunde belegte die Mannschaft mit 28 Punkten auf Platz 14.

 

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Achtung: Diese Darstellung der Entwicklung des Oscherslebener Fußballs ist auf der Grundlage von Recherchen bei den „Alten“ Spielern des Vereins, aus selbsterstellten Statistiken verschiedener Spieler, aus der Zeitung und dem Internet erstellt. Für eventuell aufgetretene Fehler bitten wir um Entschuldigung und um Meldung dieser Fehler zur Behebung.

 

An der Erstellung dieser Tafel haben sich aktiv beteiligt:                             

 

  • Dietrich Lehmann                          Grundidee, Texte, Statistik, Bilder, Koordination
  • Klaus Schrader                              Statistik
  • Ulrich Hentrich                               Gestaltung
  • Heindorf Werbung                         Kopieren und Bearbeiten der Bilder, Druck